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Verordnungseinschränkung bei Harn- und Blutzuckerteststreifen

Harn- und Blutzuckerteststreifen sind Medizinprodukte, mit denen man die Höhe des Zuckerwertes im Blut oder Urin selbst messen kann. Ein mobiles Messgerät, das zusätzlich erforderlich ist, zeigt den Wert an. Bei Patientinnen und Patienten, die an einem Diabetes mellitus erkrankt sind, kann der Zuckerwert in Blut und Urin erhöht sein, weil der Zucker im Stoffwechsel des Körpers nicht richtig verarbeitet wird. Die Messung im Blut ist sehr präzise, während die Messung im Urin lediglich eine grobe Orientierung über einen erheblich zu hohen Blutzuckerspiegel liefern kann.

Harn- und Blutzuckerteststreifen sind nur noch dann zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung verordnungsfähig, wenn sie für Patientinnen und Patienten wirkliche Vorteile haben. Eine entsprechende Entscheidung trat am 1. Oktober 2011 in Kraft.

Insulinpflichtige Diabetiker nicht betroffen

Patientinnen und Patienten, die Insulin spritzen (hierzu gehören alle Typ 1-Diabetiker und ein kleiner Teil der Typ 2-Diabetiker), sind von der Regelung nicht betroffen. Insulinpflichtige Diabetiker sind darauf angewiesen, dass sie ihrem Körper zum Teil mehrfach täglich vor den Mahlzeiten über Spritzen oder mit Hilfe einer Pumpe Insulin zuführen. Zuvor müssen die Patientinnen und Patienten ihren Blutzuckerwert selbst messen, damit sie die Menge an Insulin möglichst präzise an den aktuellen Bedarf anpassen können. Deshalb benötigt diese Patientengruppe Blutzuckerteststreifen; die Kosten dafür werden weiterhin uneingeschränkt von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen.

Nicht insulinpflichtige Diabetiker profitieren nicht von der Selbstmessung

Die Einschränkung der Verordnungsfähigkeit von Harn- und Blutzuckerteststreifen gilt ausschließlich für nicht insulinpflichtige Diabetiker. Diese Patienten mit leichteren Formen des Diabetes mellitus – hierzu gehört ein großer Teil der Typ 2-Diabetiker – können ihre Krankheit bereits mit einer entsprechenden Ernährungsumstellung, Gewichtsabnahme und Erhöhung der körperlichen Aktivität sowie der Einnahme oraler Medikamente (sogenannter Antidiabetika) gut in den Griff bekommen.

Diese Patientengruppe kann von einer Blutzuckerselbstmessung nicht profitieren, weil sich daraus keinerlei direkte Konsequenzen für die Therapie ergeben. Änderungen der Medikamentendosis werden regelmäßig und ausschließlich von der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt durchgeführt, nachdem neben dem Blutzucker der entscheidende HbA1c-Wert gemessen wurde. Dieser Wert gibt Auskunft darüber, wie sich die Blutzuckereinstellung über einen längeren Zeitraum (etwa acht Wochen – der Wert gilt auch als sogenanntes „Blutzuckergedächtnis“) entwickelt hat. Diese Patientinnen und Patienten benötigen deshalb keine Harn- und Blutzuckerteststreifen.

Ausnahmeregelungen

Harn- und Blutzuckerteststreifen dürfen auch nicht insulinpflichtigen Diabetikern weiterhin verordnet werden, wenn eine instabile Stoffwechsellage vorliegt. Instabile Stoffwechsellagen können beispielsweise auftreten, wenn zusätzlich zum Diabetes noch andere Erkrankungen hinzukommen oder Patienten neu auf orale Antidiabetika eingestellt werden und deshalb vorübergehend häufigere Kontrollen des Blutzuckerspiegels sinnvoll sind. Diese Ausnahmeregelung hat der G-BA auch in Abstimmung mit den im G-BA mitberatenden Patientenvertretern getroffen.

Kein Nutzenbeleg für die Selbstmessung

Die Entscheidung des G-BA basiert auf einer entsprechenden Nutzenbewertung, die das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) im Auftrag des G-BA für nicht insulinpflichtige Diabetiker vornahm. (Der Abschlussbericht der Bewertung ist unter www.iqwig.de in der Rubrik „Projekte & Ergebnisse“ nach Schlagwort zu finden). Der G-BA hat die gesetzliche Aufgabe, Leistungen der GKV auf ihren tatsächlichen Nutzen hin zu überprüfen und diese auf das Maß des Notwendigen zu begrenzen. Anderenfalls würde die Versichertengemeinschaft mit unnötigen Ausgaben belastet und dem GKV-System Geld entzogen, das zur Finanzierung notwendiger Leistungen dringend benötigt wird.