Auswahl Website-Hauptbereich
Inhalt

Die Aufgaben des G-BA beim Thema Hygiene

In diesem Themenbereich hat auch der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) wichtige Aufgaben. Allerdings ist er nicht dafür zuständig, die Einhaltung der eingangs beschriebenen Hygieneverordnungen und -empfehlungen zu kontrollieren. Vielmehr legt er Anforderungen fest, die Kliniken und Praxen im Rahmen spezieller Qualitätssicherungsmaßnahmen – auch zur Hygiene – erfüllen sollen. Und er bestimmt Qualitätsindikatoren, mit deren Hilfe die Hygienequalität bewertet und verglichen werden kann.

Bei seinen Festlegungen soll der G-BA auch die Erkenntnisse aus schon etablierten Systemen zur Erfassung, Auswertung und Meldung von nosokomialen Infektionen, antimikrobiellen Resistenzen und zum Antibiotika-Verbrauch sowie die Empfehlungen der beim Robert Koch-Institut angesiedelten Kommissionen berücksichtigen. Rechtsgrundlage hierfür ist § 137 Abs. 1a und 1b SGB V. Die wichtigsten Vorgaben des G-BA zu Hygienemanagement und -qualität und die derzeitigen Arbeitsschwerpunkte werden im Folgenden dargestellt.

Regelungen zum Qualitätsbericht der Krankenhäuser (Qb-R)

Seit dem Jahr 2003 sind Krankenhäuser, die für die Versorgung von gesetzlich krankenversicherten Patienten (GKV-Patienten) zugelassen sind, gesetzlich dazu verpflichtet, regelmäßig einen strukturierten Qualitätsbericht zu erstellen. Welche Struktur- und Leistungsdaten darin im Einzelnen dokumentiert und dargestellt werden müssen, gibt der G-BA in seinen „Regelungen zum Qualitätsbericht der Krankenhäuser (Qb-R)“ vor. Mithilfe von Internetsuchmaschinen können die Krankenhausberichte von der interessierten (Fach-)Öffentlichkeit gezielt abgefragt und untereinander verglichen werden.

Die Qualitätsberichte enthalten zum Stand der Hygiene in den Krankenhäusern neben Angaben zum Hygienepersonal beispielsweise auch Angaben zu ausgewählten hygienebezogenen Qualitätsindikatoren der externen stationären Qualitätssicherung (siehe unten).

Der Gesetzgeber beauftragte den G-BA im Jahr 2011, mit den Qualitätsberichten die Information über den Stand der Hygiene in den Krankenhäusern zu verbessern und Transparenz über das dort tätigte Hygienepersonal herzustellen. Nach Einführung eigens entwickelter Qualitätskennzahlen (Indikatoren) zur Beurteilung der Hygienequalität sollen die zur Veröffentlichung geeigneten Ergebnisse ebenfalls in den Qualitätsberichten dargestellt werden.

Seit dem Berichtsjahr 2012 sind die Krankenhäuser verpflichtet, Angaben zu ihrem Hygienepersonal zu machen, die die Vergleichbarkeit der Informationen auf Bundesebene erhöhen. Dies wird erreicht, in dem man sich bei den Bezeichnungen des Fachpersonals an den Empfehlungen der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) mit dem Titel „Personelle und organisatorische Voraussetzungen zur Prävention nosokomialer Infektionen“ sowie an den Krankenhaushygieneverordnungen auf Landesebene orientiert. Gleichzeitig limitieren diese allerdings auch die Vergleichbarkeit, da nicht alle Berufe in den länderspezifischen Verordnungen gefordert oder empfohlen werden.

Richtlinie über Maßnahmen der Qualitätssicherung in Krankenhäusern (QSKH-RL)

Die sogenannte externe stationäre Qualitätssicherung, die in der QSKH-RL geregelt wird, ist ein bundeseinheitliches Verfahren, nach dem Krankenhäuser bestimmte qualitätsrelevante medizinische und pflegerische Daten dokumentieren müssen. Diese Daten bieten die Möglichkeit, die Qualität in derzeit 30 Leistungsbereichen (z.B. Geburtshilfe, Hüftendoprothesenwechsel) anhand von mehr als 400 Qualitätsindikatoren zu vergleichen. Ein Teil dieser dokumentationspflichtigen Qualitätsindikatoren haben einen Bezug zum Infektionsschutzgesetz beziehungsweise zur Hygienequalität in einem Krankenhaus. So geht es beispielsweise um das Auftreten von Infektionen nach Operationen sowie um die Häufigkeit von Antibiotikaprophylaxen im zeitlichen Umfeld von Operationen.

Die von den Krankenhäusern übermittelten Daten werden auf Bundes- und Landesebene statistisch ausgewertet, analysiert und bewertet. Die Ergebnisse werden den Krankenhäusern zurückgespiegelt. So hat jede Klinik die Möglichkeit, den eigenen Leistungsstand in Relation zu anderen einzuschätzen und konkrete Ansätze für die Qualitätsverbesserung zu entwickeln.

Die Ergebnisse der externen stationären Qualitätssicherung werden seit 2001 jährlich in einer Bundesauswertung und einem Qualitätsreport anonymisiert zusammengefasst und veröffentlicht. Eine einrichtungsbezogene Veröffentlichung ausgewählter Qualitätsindikatoren erfolgt im Qualitätsbericht der Krankenhäuser (siehe oben). Das Institut nach § 137a SGB V prüft im Auftrag des G-BA, welche weiteren Indikatoren – auch zur Hygiene – zur Veröffentlichung im Qualitätsbericht der Krankenhäuser geeignet sind.

Qualitätssicherung zur Versorgung von Früh- und Reifgeborenen

Es gehört zu den Aufgaben des G-BA, Mindestanforderungen an die Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität für diagnostische und therapeutische Leistungen im Krankenhaus festzulegen. Diese Mindestanforderungen müssen erfüllt sein, damit ein Krankenhaus eine bestimmte Leistung weiterhin anbieten kann. Der G-BA hat solche Anforderungen unter anderem zur Versorgung von Früh- und Reifgeborenen erarbeitet.

In seiner Qualitätssicherungs-Richtlinie Früh- und Reifgeborene hat er die Anforderungen an die vier perinatologischen Versorgungsstufen – Perinatalzentren Level 1 und 2, perinataler Schwerpunkt und Geburtsklinik – definiert sowie Zuweisungskriterien festgelegt.

Zu den hygienebezogenen Qualitätsanforderungen von Perinatalzentren Level 1 und 2 gehört beispielsweise, dass das Zentrum an einer externen Infektionsbeobachtung für Frühgeborene mit einem Geburtsgewicht unter 1500 g teilnimmt. Zudem ist vorgeschrieben, dass die Zentren im Rahmen ihres einrichtungsinternen Qualitätsmanagements regelmäßig interdisziplinäre Fallkonferenzen unter Einbeziehung des Fachbereichs Krankenhaushygiene abhalten.

Richtlinie zur einrichtungs- und sektorenübergreifenden Qualitätssicherung (Qesü-RL)

Im Dezember 2010 hat der G-BA den Rahmen für eine Qualitätssicherung etabliert, die sowohl die ambulante als auch stationäre Behandlung einrichtungs- und sektorenübergreifend erfasst. Hierzu werden nun nach und nach sektorenübergreifende Qualitätssicherungsverfahren zu konkreten Krankheitsbildern entwickelt. Auch hier spielt das Thema Hygiene eine Rolle. So befinden sich zur Vermeidung nosokomialer Infektionen derzeit zwei Verfahren in Arbeit:

  • postoperative Wundinfektionen nach operativen Eingriffen sowie
  • Gefäßkatheter-assoziierte Infektionen („intravasale Katheter“).

Sie sollen dabei helfen, das Infektionsrisiko zu verringern und damit verbundene Komplikationen und Spätfolgen zu reduzieren. Da die Versorgungsqualität anhand von Indikatoren gemessen und dargestellt werden kann, wird zudem ein Vergleich der Leistungserbringer ermöglicht.

Qualitätsmanagement- Richtlinien für die vertragsärztliche und die vertragszahnärztliche Versorgung (ÄQM-RL und ZÄQM-RL)

Auch für ambulante Einrichtungen wie zum Beispiel Arzt oder Zahnarztpraxen entwickelt der G-BA Vorgaben zum Qualitätsmanagement, hier vor allem zu Strukturen und Abläufen. In seinen beiden Qualitätsmanagementrichtlinien zur ärztlichen und zur zahnärztlichen Versorgung (ÄQM-RL und ZÄQM-RL) gibt der G-BA vor, dass die gesetzlichen und vertraglichen Vorschriften zur Hygiene Grundelemente eines einrichtungsinternen Qualitätsmanagements sind.

Qualitätssicherungsrichtlinie Dialyse (QSD-RL)

Für die Qualitätssicherung der Dialyse im vertragsärztlichen Bereich entwickelte der G-BA im Jahr 2006 eine eigene Richtlinie. Mit der seit 1. Januar 2014 geltenden Neufassung erfassen neu aufgenommene Benchmarking-Parameter auch die Hygienequalität von Dialyseeinrichtungen. Gemessen wird zum Beispiel die Zahl der zugangsassoziierten Infektionen (Infektionen an der Einstichstelle von Venenverweilkanülen oder zentralen Venenkathetern) oder das Vorkommen einer infektiösen Peritonitis bei Patientinnen und Patienten mit Peritonealdialyse (eine meist bakteriell verursachte Entzündung des Bauchfells nach Anwendung der Bauchfelldialyse).