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Sektorenübergreifende Qualitätssicherung

Die sektorenübergreifende Qualitätssicherung hat das Ziel, die Qualität der medizinischen Versorgung nicht ausschließlich getrennt in Klinik und Praxis, sondern über Sektorengrenzen hinweg zu erfassen und zu bewerten. Dadurch werden sogenannte Längsschnittbetrachtungen möglich. Behandlungsverläufe können im Ganzen beurteilt und über verschiedene daran beteiligte Leistungserbringer und größere Zeiträume hinweg analysiert werden.

Dieser Ansatz ist noch relativ neu. Qualitätssicherung in der Medizin wurde seit ihren Anfängen in Deutschland zunächst fast ausschließlich sektoral, also innerhalb der Sektoren „Klinik“ und „Praxis“ betrieben. Erst mit dem 2007 verabschiedeten Wettbewerbsstärkungsgesetz (GKV-WSG) rückte der Gesetzgeber sektorenübergreifende Ansätze in den Mittelpunkt künftiger Qualitätsentwicklungen. Viele bestehende gesetzliche Regelungen des SGB V wurden zusammengeführt, um die Anforderungen an die Qualitätssicherung in allen Sektoren so einheitlich wie möglich zu gestalten. Der G-BA hat seither die Aufgabe, verpflichtende einrichtungs- und sektorenübergreifende Qualitätssicherungsmaßnahmen durch Richtlinien festzulegen.

Bei der Durchführung dieser Aufgabe wird der G-BA von dem Institut nach § 137a SGB V unterstützt.

Die Richtlinie über einrichtungs- und sektorenübergreifende Maßnahmen zur Qualitätssicherung (Qesü-RL)

Um für sektorenübergreifende Qualitätssicherungsverfahren einen einheitlichen Rahmen vorzugeben, etablierte der G-BA im Jahr 2010 die Richtlinie zur einrichtungs- und sektorenübergreifenden Qualitätssicherung (Qesü-RL). Sie gibt Regeln vor, nach denen künftig sowohl die ambulante als auch die stationäre Behandlung übergreifend erfasst werden soll.

Der erste Teil dieser Richtlinie legt allgemeine Rahmenbestimmungen fest. Hierzu gehören die institutionellen Strukturen, in denen die sektorenübergreifende Qualitätssicherung durchgeführt wird, die Datenflüsse und das Vorgehen zur Auswertung sowie Nutzung der Qualitätssicherungsdaten. Im zweiten Teil der Richtlinie folgen die sogenannten themenspezifischen Bestimmungen, in denen die konkreten Vorgaben zu den jeweiligen Verfahren festgelegt werden.

Da in der sektorenübergreifenden Qualitätssicherung Datensätze derselben Patienten aus unterschiedlichen Behandlungsorten, -sektoren und -zeiten zusammengeführt werden, bestehen besondere Anforderungen an den Datenschutz (§ 299 SGB V). Es musste ein sogenanntes Pseudonymisierungsverfahren etabliert werden, das über eine unabhängige Vertrauensstelle die Daten, die eine Identifizierung der Patienten ermöglichen, unkenntlich macht und damit eine Rückverfolgung zum jeweiligen Patienten ausschließt. Mit diesem Ziel hat der G-BA eine Vertrauensstelle errichtet, die im Januar 2012 ihre Arbeit aufnahm. Nach einem europaweiten Ausschreibungsverfahren wurde im September 2011 die Firma SCHÜTZE Consulting AG (SCA) mit dieser Aufgabe betraut.

Erste beauftragte Verfahren

Zu folgenden Themen wurde vom G-BA die Entwicklung der ersten sektorenübergreifenden Qualitätssicherungsverfahren beauftragt:

  • Kataraktoperationen (Augenoperation bei grauem Star)
  • Konisation (gynäkologischer Eingriff)
  • Perkutane Koronarintervention (PCI) und Koronarangiographie
  • Kolorektales Karzinom
  • Arthroskopie am Kniegelenk
  • Hüftendoprothesenversorgung
  • Knieendoprothesenversorgung
  • Vermeidung nosokomialer Infektionen (Postoperativer Infektionen und Gefäßkatheter-assoziierter Infektionen)
  • Nierenersatztherapie bei chronischem Nierenversagen
  • Versorgung bei psychischen Erkrankungen

Für alle Themen hat der G-BA das Institut nach § 137a SGB V mit der Entwicklung geeigneter Qualitätsindikatoren und Instrumente eines sektorenübergreifenden Qualitätssicherungsverfahrens beauftragt.

Wurde ein Abschlussbericht durch den G-BA abgenommen, wird das Institut nach § 137a SGB V in der Regel mit der technischen Umsetzung und der Machbarkeitsprüfung beauftragt. Bevor ein Verfahren in den Regelbetrieb übernommen werden kann, ist ein Probebetrieb in verschiedenen Testregionen vorgesehen.