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Aufgabe des Gemeinsamen Bundesausschusses

Bevor eine psychotherapeutische Behandlungsform im vertragsärztlichen Sektor Kassenleistung werden kann, bewertet der G-BA diese – ebenso wie andere medizinische Behandlungsmethoden – nach einem in der Verfahrensordnung des G-BA festgelegten einheitlichen Verfahren. Überprüft wird, ob psychotherapeutische Verfahren und Methoden zur Behandlung bestimmter Erkrankungen für Patienten im Vergleich zu bereits zulasten der GKV zur Verfügung stehenden Verfahren und Methoden einen Nutzen haben, und ob sie medizinisch notwendig und wirtschaftlich sind.

Für Psychotherapieverfahren gilt eine Besonderheit: Es muss nicht nur der Nutzen des Psychotherapieverfahrens durch methodisch gute Studien nachgewiesen sein, sondern die Nutzennachweise müssen auch mehrere Anwendungsbereiche der ambulanten Psychotherapie abdecken (insbesondere Depressionen und Angststörungen sowie mindestens einen weiteren Anwendungsbereich). Die Bewertung von Psychotherapieverfahren bezieht sich daher auf alle 14 in der Psychotherapie-Richtlinie genannten Anwendungsbereiche, darunter affektive Störungen, Angst- und Zwangsstörungen, somatoforme Störungen, Reaktionen auf schwere Belastungen und Anpassungsstörungen, Essstörungen, Persönlichkeitsstörungen und Verhaltensstörungen sowie psychische und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen oder durch Opioide.

Hintergrund dieser Bedingung ist, dass die Zulassung eines Psychotherapieverfahrens sich immer auf alle für den ambulanten Bereich geltenden Anwendungsbereiche erstreckt. Dies ist sinnvoll, weil eine psychische Krankheit häufig nicht allein, sondern in Verbindung mit anderen psychischen Krankheiten auftritt („Komorbidität“). Die zusätzliche psychische Erkrankung kann entweder schon zu Beginn der Behandlung erkennbar sein oder erst im Laufe der Therapie zutage treten. Ein Patient, der unter einer Angststörung leidet, kann z.B. zugleich an einer Depression erkrankt sein.

Der Patient, der sich an den ambulanten Psychotherapeuten wendet, soll von diesem in Bezug auf alle bei ihm diagnostizierten psychischen Erkrankungen behandelt werden können. Zugleich soll sich der Patient darauf verlassen können, dass das von seinem Therapeuten angewendete Psychotherapieverfahren seinen Nutzen zumindest in einigen der wesentlichen Anwendungsbereiche nachgewiesen hat. Die im Bereich der ambulanten Psychotherapie behandelbaren „Indikations-" oder „Anwendungsbereiche“ werden in § 22 der Psychotherapie-Richtlinie aufgeführt.

Bereits 2008 hat der G-BA eine Verfahrensprüfung der Gesprächspsychotherapie für Erwachsene abgeschlossen, die weiterhin nicht als Psychotherapieverfahren zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung erbracht werden kann.

Noch nicht abgeschlossen ist die im Jahr 2008 begonnene Prüfung der Richtlinienverfahren im Bereich der Erwachsenenpsychotherapie. Zu den Richtlinienverfahren gehören die psychoanalytisch begründeten Psychotherapieverfahren „tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie“ und „analytische Psychotherapie“ sowie die Verhaltenstherapie.

Seit 2013 läuft ein Bewertungsverfahren der Systemischen Therapie als Psychotherapie-Verfahren bei Erwachsenen. Die Systemische Therapie ist ein psychotherapeutisches Verfahren, dessen Fokus auf dem sozialen Kontext psychischer Störungen liegt. In die Therapie einbezogen werden Mitglieder des für die Patientin oder den Patienten bedeutsamen sozialen Systems, beispielsweise der Familie (vgl. Wissenschaftlicher Beirat Psychotherapie: Gutachten zur wissenschaftlichen Anerkennung der Systemischen Therapie, 14.12.2008).

Zur Behandlung posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS) wurde 2014 die Psychotherapie-Methode EMDR (Eye-Movement-Desensitization and Reprocessing) als neue GKV-Leistung aufgenommen. Die EMDR kann im Rahmen eines umfassenden Behandlungskonzeptes der Verhaltenstherapie, der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie oder der analytischen Psychotherapie angewendet werden.