Versorgung bei Long-COVID, Post-COVID, ME/CFS und ähnlichen Erkrankungen

Patientinnen und Patienten mit dem Verdacht auf Long-COVID oder einer Erkrankung, die eine ähnliche Ursache oder Krankheitsausprägung hat, sollen besser und schneller versorgt werden. Dafür hat der G-BA in seiner Long-COVID-Richtlinie eine strukturierte Versorgung beschrieben: Eine koordinierende Ärztin bzw. ein koordinierender Arzt unterstützt die Erkrankten über die gesamte Behandlung hinweg. Sie oder er steuert u. a. die Einbindung verschiedener Facharztgruppen und weiterer Gesundheitsprofessionen bis hin zu Spezialambulanzen für besonders schwer Erkrankte.

Was versteht man unter Long-COVID und Post-COVID?

Länger als vier Wochen anhaltende oder neu auftretende Symptome ab vier Wochen nach einer Corona-Infektion werden als Long-COVID bezeichnet. Von Post-COVID spricht man bei Erwachsenen mit Symptomen, die länger als zwölf Wochen nach einer Corona-Infektion andauern oder auftreten, bei Kindern und Jugendlichen länger als acht Wochen.

Sehr häufige Symptome bei Long/Post-COVID sind*:

  • Müdigkeit und krankhafte Erschöpfung („Fatigue“)
  • Eingeschränkte Belastbarkeit
  • Kurzatmigkeit/Atemnot bei Belastung
  • Kopfschmerzen
  • Muskel-/Gelenkschmerzen
  • Schlafstörungen

Typisch dabei ist ein wellenförmiger Verlauf der Beschwerden.

Zu den weiteren Erkrankungen mit ähnlicher Symptomatik zählen das Post-Vac-Syndrom und die Myalgische Enzephalomyelitis/Chronisches Fatigue-Syndrom (ME/CFS).

* Quelle:  Patientenleitlinie der AWMF zu Long/Post COVID, Stand 25. September 2024

Drei Ebenen der Versorgung

Erste Anlaufstelle bei Long/Post-COVID-Beschwerden ist in der Regel die Hausärztin bzw. der Hausarzt, bei Kindern und Jugendlichen eine Fachärztin oder ein Facharzt der Kinder- und Jugendmedizin. Sie oder er übernimmt die standardisierte Eingangsdiagnostik, die in der Long-COVID-Richtlinie festgelegt ist und koordiniert, u.a. und falls erforderlich, die Einbindung weiterer Gesundheitsfachleute. Die koordinierende Ärztin oder der koordinierende Arzt bindet nach Bedarf weitere Facharztgruppen und Gesundheitsberufsgruppen in die Behandlung mit ein. Als dritte Ebene unterstützen Spezialambulanzen die Schwerstbetroffenen und Patientinnen und Patienten mit einem komplexen Versorgungsbedarf.

Die Behandlung entlang dieser Versorgungspfade soll bei den noch ungenügend erforschten Krankheitsbildern weitgehend sicherstellen, dass ein Erkrankungsverdacht sorgfältig und strukturiert abgeklärt wird und die notwendige Versorgung niedrigschwellig und zeitnah erreicht werden kann. Die strukturierten Versorgungspfade sollen auch dazu beitragen, dass nach der Diagnose die vorhandenen Möglichkeiten ausgeschöpft werden, um die Symptome zu lindern und den Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen.

Individueller Behandlungsplan und Koordination

Die koordinierende Ärztin oder der koordinierende Arzt ist die zentrale Ansprechperson für die Patientin oder den Patienten. Sie erstellt einen individuellen Behandlungsplan, der auf die spezifischen Symptome und Bedürfnisse der Patientin oder des Patienten abgestimmt ist. Ein besonderes Augenmerk soll dabei beispielsweise auch auf das Vorliegen einer Belastungsintoleranz gelegt werden, bei der sich Symptome auch nach geringer körperlicher oder geistiger Belastung verschlechtern können. Der Behandlungsplan enthält die Behandlungsziele, Angaben zu den weiteren Behandlungsschritten und zu geplanten weiteren Maßnahmen.

Die koordinierende ärztliche Person übernimmt auch die Vermittlung von dringend erforderlichen Behandlungsterminen bei Fachärztinnen und Fachärzten, die hinzugezogen werden müssen. Sie ist außerdem die Ansprechperson für andere Gesundheitsfachleute sowie kooperierende Einrichtungen und Organisationen und informiert über Möglichkeiten des Selbstmanagements sowie zu Schulungsangeboten.

Als Bestandteil der Behandlung können insbesondere folgende medizinischen Leistungen verordnet werden:

  • Medizinische Rehabilitation
  • Anordnung der Hilfeleistung anderer Personen
  • Medikamente, Verbandsmaterial, Heil- und Hilfsmittel
  • Krankentransporte
  • Krankenhausbehandlungen oder Behandlungen in Vorsorge- oder Rehabilitationseinrichtungen
  • Digitale Gesundheitsanwendungen
  • Häusliche Krankenpflege und außerklinische Intensivpflege
  • Soziotherapie
  • falls angezeigt spezialisierte ambulante Palliativversorgung 

Aktuelle weitere Informationsangebote

Informationen des BMG zu Long-CODVID und ME/CFS

Weiterführende Informationen und Orientierungshilfe zum Thema Long-COVID und ME/CFS für Patientinnen und Patienten bietet eine umfassende Linkliste des BMG:

https://www.bmg-longcovid.de/hilfreiche-links

Long-COVID-Arzneimittel – Therapiekompass und Off-Label-Use

Bisher gibt es noch keine Arzneimittel, die speziell für die Therapie von Long-COVID zugelassen sind. Zur Linderung der Symptome hat das Bundesinstitut für Arzneimittel im September 2024 erstmals einen Therapiekompass veröffentlicht. Dieser listet in einer Übersicht Wirkstoffe und Wirkstoffgruppen auf, die für häufig bei Long-COVID auftretenden Beschwerden zugelassen sind. Der Therapie-Kompass ist auf der Internetseite des BfArM veröffentlicht:

Long COVID - Arzneimittel: Maßnahmen zur Verbesserung der Versorgung von Long COVID-Erkrankten

Die Expertengruppe „Long COVID Off-Label-Use“ ist außerdem vom Bundesministerium für Gesundheit beauftragt, eine Liste von Medikamenten zu erarbeiten, die außerhalb der Zulassung zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung verordnet werden können.

Expertengruppe Long COVID Off-Label-Use

Der G-BA hat im April 2026 die vier empfohlenen Wirkstoffe in Anlage VI der Arzneimittel-Richtlinie aufgenommen. Die Beschlüsse sind seit 11. Juni 2026 in Kraft.

Leitlinien zur Behandlung von Long-COVID und Post-COVID

Die Arbeitsgemeinschaft wissenschaftlich medizinischer Fachgesellschaften (AWMF) hat in ihrer S1-Leitlinie Long/ Post-COVID – Living Guideline auf Basis des aktuellen medizinischen Wissensstand ärztliche Handlungsempfehlungen zusammengefasst.

An Patientinnen und Patienten sowie deren Angehörige richtet sich die sog. Patienten-Leitlinie, die weiterführende Informationen zum Umgang mit Long-COVID bereithält.

Übersichtsseite Leitlinie Long/ Post-Covid

Informationsangebot der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV)

Für Ärztinnen und Ärzte bietet die KBV ein Informationsangebot zu Long-COVID und Post-COVID auf ihrer Website an:

Long COVID und Post COVID

Informationsangebot des BMG für Ärzteschaft und Behandelnde zu Long-COVID bei Kindern und Jugendlichen

Das BMG bietet auf seiner Website zu Long-COVID ein Informationsangebot für Ärzteschaft und Behandelnde von Kindern und Jugendlichen mit Long COVID an.

Digitale Toolbox für Ärzteschaft und Behandelnde

Forschung zur besseren Versorgung bei Long-COVID, Post-COVID und Erkrankungen ähnlicher Ursache

Der Innovationsausschuss beim G-BA fördert Projekte zum Thema Versorgung von Patientinnen und Patienten mit postviralen Symptomkomplexen wie z. B. Post-/Long-COVID, ME/CFS:

BD-LC-PS – Behandlungsverläufe und Determinanten bei Long COVID und anderen postviralen Symptomkomplexen

CFS_CARE – Versorgungskonzept für Patienten mit Chronischem Fatigue Syndrom/Myalgischer Enzephalomyelitis (CFS/ME)

CO-GESUND – Verläufe von Post-COVID Fatigue – Unterschiede zwischen Gesundeten und Betroffenen in der Versorgung? Eine Case-Control-Studie

CONFIDENCE – Primärversorgungsbasiertes gestuftes sektorenverbindendes Versorgungskonzept für Menschen mit postakuten Infektionssyndromen

DiaMECO – Diagnoselatenz bei ME/CFS und Post-COVID: Ursachen, Folgen und Verbesserungspotenziale – eine Mixed-Methods-Studie

IDV Post-COVID – Effekte der interdisziplinären Versorgung auf den Verlauf und die gesundheitsökonomischen Kosten der Post-COVID-Erkrankung

KidsCarePVS – Versorgungslage und -bedarfe junger Menschen mit postviralen Symptomkomplexen: Status quo-Analyse und Entwicklung eines Versorgungskonzepts

LCovB – Die Versorgungssituation von Long COVID-Betroffenen verbessern

OrgaMECO – Die Rolle von Betroffenenorganisationen im Bereich ME/CFS und Post-COVID: aktuelle Situation, Barrieren und Potenziale – eine Mixed-Methods-Studie

PAIS Berlin – Post-akut-viral infektiöse Syndrome in Berlin: Strukturierte sektorenübergreifende und interdisziplinäre Versorgung

PAPC – Die Situation Pflegender Angehöriger von Post-COVID-Betroffenen und ME/CFS-Betroffenen

POSH – Instrument zur Unterstützung von Diagnose, Schweregraderhebung, Steuerung und Verlaufsmessung bei postviralen Syndromen in Hausarztpraxen

S3Cov19live – Living Guideline: Empfehlungen zur Therapie von Patienten mit COVID-19

SOLongCOVID – Subjektive Versorgungserfahrungen und objektive Versorgungswege bei LongCOVID

UNCOVER – Behandlungsbarrieren bei Long-COVID und ME/CFS verstehen und reduzieren

VIBES – Versorgungssituation, VersorgungsInanspruchname und Bedarfsanalyse von Patient:innen mit postviralen Syndromen am Beispiel von Post-COVID

WATCH – Mobile WohnortnAhe Versorgung zur Steuerung der sektorübergreifenden Therapie bei Post-COVID-19 in THüringen