Bedarfsplanung für die vertragsärztliche Versorgung

Mit Hilfe der Bedarfsplanung sollen Niederlassungsmöglichkeiten von Ärztinnen und Ärzten sowie Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten genau dort ausgewiesen werden, wo sie benötigt werden. Ziel ist es, einen gleichmäßigen und bedarfsgerechten Zugang der Versicherten zur ambulanten Versorgung zu gewährleisten.

Der G-BA ist gesetzlich beauftragt, für die Aufstellung der regionalen Bedarfspläne eine bundeseinheitliche Planungssystematik zu definieren. Diese Rahmenvorgaben legt der G-BA in der Bedarfsplanungs-Richtlinie fest. Zugleich eröffnet diese Richtlinie aber auch vielfältige Möglichkeiten, von der bundeseinheitlichen Planungssystematik abzuweichen, soweit regionale oder lokale Besonderheiten in der Versorgungslage dies erforderlich machen.

Auf Landesebene werden von den Kassenärztlichen Vereinigungen im Einvernehmen mit den Landesverbänden der Krankenkassen und den Ersatzkassen die Bedarfspläne erstellt. Hierfür wird die aktuelle Versorgungssituation auf die verschiedenen Arztgruppen bezogen erfasst, mit dem jeweiligen Sollniveau abgeglichen und so das Versorgungsniveau ermittelt. In Abhängigkeit mit dem Versorgungsniveau können dann gegebenenfalls neue Niederlassungsmöglichkeiten in einem Planungsbereich ausgewiesen werden.

Darüber hinaus wird auf Landesebene entschieden, ob und inwieweit vom bundeseinheitlichen Rahmen abgewichen wird.

Beplanung der Arztgruppen auf vier Versorgungsebenen

Die Planungssystematik des G-BA sieht vor, dass die verschiedenen Arztgruppen – von Hausärzten bis hin zu Strahlentherapeuten – in unterschiedlich großen Räumen beplant werden. Die hausärztliche Versorgung beispielsweise soll möglichst wohnortnah erfolgen, deshalb wird hier kleinräumig beplant. In der fachärztlichen Versorgung mit zunehmendem Spezialisierungsgrad wird hingegen eine Beplanung in jeweils proportional größeren Einzugsgebieten als bedarfsgerecht erachtet.

In der Bedarfsplanungs-Richtlinie werden folgende vier Versorgungsebenen unterschieden:

  • hausärztliche Versorgung
  • allgemeine fachärztliche Versorgung
  • spezialisierte fachärztliche Versorgung
  • gesonderte fachärztliche Versorgung

Jede der mit der Richtlinie beplanten Arztgruppen ist einer dieser Versorgungsebenen zugeordnet. Die jeweiligen Planungsbereiche wurden nach Maßgabe des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) definiert. Unterschieden werden Mittelbereiche, Kreise und Raumordnungsregionen sowie die Bezirke der Kassenärztlichen Vereinigungen.

Hausärztliche Versorgung

Die Ebene der hausärztlichen Versorgung ist die kleinräumigste Versorgungsebene – die Arztsitze sollen möglichst wohnortnah eingerichtet sein. Ihr ist die Arztgruppe der Hausärzte, zu der beispielsweise Fachärzte für Allgemeinmedizin oder Praktische Ärzte gehören, zugeordnet. Planungsbereich ist der sogenannte Mittelbereich entsprechend den Festlegungen des BBSR.

Allgemeine fachärztliche Versorgung

Zu den Arztgruppen der allgemeinen fachärztlichen Versorgung gehören unter anderem Augenärzte, Frauenärzte, Psychotherapeuten und Kinderärzte. Diese werden nach Maßgabe der Festlegungen des BBSR auf Kreisebene beplant. Auf dieser Ebene werden zur Berücksichtigung der unterschiedlichen Siedlungsstrukturen in Deutschland sechs Kreistypen unterschieden. Die Typisierung der Kreise erfolgt mit Blick auf das Ausmaß der sogenannten Mitversorgung. Entsprechend wird eine Differenzierung in mitversorgende Regionen, mehr oder weniger stark mitversorgte Regionen und eigenversorgte Regionen vorgenommen und die arztgruppenspezifische Verhältniszahl je Kreistyp bedarfsgerecht festgelegt. Aus diesem Grund wird zum Beispiel Großstädten, die als stark mitversorgend gelten, eine höhere Arztdichte zugebilligt als ländlichen Gebieten.

Spezialisierte fachärztliche Versorgung

Zu dieser Versorgungsebene gehören die Arztgruppen der Anästhesisten, Radiologen, fachärztlich tätigen Internisten sowie der Kinder- und Jugendpsychiater. Planungsbereich ist die Raumordnungsregion entsprechend den Festlegungen des BBSR.

Gesonderte fachärztliche Versorgung

Hierzu gehören beispielsweise Humangenetiker, Laborärzte, Nuklearmediziner und Strahlentherapeuten. Diese Arztgruppen sind zum Teil deutschlandweit tätig, haben wenig bis gar keinen Patientenkontakt oder erbringen besondere ärztliche Leistungen. Entsprechend wird der Planung hier der Bezirk der Kassenärztlichen Vereinigungen zugrunde gelegt.

Bewertung der Versorgungslage mit Hilfe von Verhältniszahlen

Die Verhältniszahlen – Einwohnerzahl pro Arzt – drücken das als angemessen bewertete Soll-Versorgungsniveau aus. Sie sind in der Bedarfsplanungs-Richtlinie differenziert nach Arztgruppe und Planungsbereich als bundeseinheitlicher Maßstab festgelegt. Mit Beschluss vom 16. Mai 2019 führte der G-BA ein mehrstufiges Berechnungsverfahren ein, mit dem die Basis-Verhältniszahlen entsprechend der Alters-, Geschlechts- und Morbiditätsstruktur vor Ort angepasst werden können. Die so ermittelten regionalen Verhältniszahlen bilden dann die Grundlage zur Bewertung der Versorgungssituation vor Ort und spiegeln gleichzeitig wider, wie sich der Bedarf an Ärzten und Psychotherapeuten in der Region im Vergleich zum Bundesdurchschnitt verhält.