Beendete Innovationsausschuss-Projekte: für höhere Arzneimitteltherapiesicherheit, bessere Indikationsqualität und eine bedarfsgerechte Behandlung von Gefäßfehlbildungen
Berlin, 23. Januar 2026 – Der Innovationsausschuss beim Gemeinsamen Bundesausschuss hat heute die gezielte Weiterleitung von Ergebnissen aus drei Versorgungsforschungsprojekten an Organisationen und Verbände im Gesundheitswesen beschlossen:
- Das Projekt Embryotox hat das gleichnamige Internetportal zu Arzneimittelanwendungen während der Schwangerschaft und der Stillzeit evaluiert. Die Ergebnisse können genutzt werden, um verständlicher und breiter über Einsatz, Verträglichkeit und Risiken von Arzneimitteln zu informieren.
- Das Projekt IndiQ trägt mit seinen Datenauswertungen zu (un)angemessenen Indikationsstellungen dazu bei, die Versorgungsqualität und -effizienz zu verbessern.
- Im Projekt LL VALM wurde eine S3-Leitlinie für die bedarfsgerechte Diagnostik und Behandlung von angeborenen Gefäßfehlbildungen entwickelt. Erstmals stehen damit interdisziplinär erarbeitete, standardisierte Empfehlungen zur Verfügung.
S3-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie angeborener venöser, arterio-venöser und lymphatischer Fehlbildungen
Angeborene Fehlbildungen von Blut- und Lymphgefäßen zählen zu den seltenen Erkrankungen. Die Ausprägung ist sehr vielfältig, von kosmetischen Problemen bis hin zu lebensbedrohlichen Herzschwächen. Da jedes Organsystem betroffen sein kann, sind Expertinnen und Experten unterschiedlicher medizinischer Disziplinen und ein eng abgestimmtes Vorgehen für eine gute Behandlung erforderlich. Bislang existierte jedoch weder eine einheitliche Terminologie noch eine standardisierte Diagnostik und Therapie. Das vom Innovationsausschuss geförderte Projekt LL VALM entwickelte deshalb eine S3-Leitlinie. Die Leitlinie beinhaltet insgesamt 34 Empfehlungen zu allen relevanten Themenkomplexen: von Klassifikation und Epidemiologie über Diagnostik und Therapie bis hin zu psychosozialen Aspekten.
Die miterstellte Patientenleitlinie stellt für Betroffene erstmalig evidenzbasierte Patienteninformationen zur Verfügung.
Evaluation des digitalen Referenzzentrums für Arzneimittel in Schwangerschaft und Stillzeit: Embryotox.de
Seit Oktober 2008 informiert das Internetportal embryotox.de über Verträglichkeit und Risiken von Arzneimitteln in der Schwangerschaft und in der Stillzeit. Es wurde durch das Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie an der Charité – Universitätsmedizin Berlin konzipiert und richtete sich ursprünglich an medizinisches Fachpersonal. Das vom Innovationsausschuss geförderte Versorgungsforschungsprojekt Embryotox hat das Internetportal evaluiert. Neben zwei Online-Erhebungen wurden über 40 leitfadengestützte Interviews mit Ärztinnen und Ärzten, Patientinnen und Hebammen sowie mit einer Fokusgruppe bestehend aus Gynäkologinnen und Gynäkologen durchgeführt. Das Projekt konnte wichtige Ergebnisse bereitstellen, wie und durch wen das Portal „embryotox.de“ genutzt wird. Zudem konnten Barrieren bei der Nutzung des Internetportals identifiziert werden. Um das Internetportal bedarfsgerecht weiterzuentwickeln, fördert der Innovationsausschuss seit Januar 2026 das Projekt Opti-AMTS.
Entwicklung eines Tools zur Messung von Indikationsqualität in Routinedaten
Eine angemessene Indikationsstellung bzw. die richtige Entscheidung, wann, ob und wie eine medizinische Behandlung erfolgen soll, ist notwendig, um eine Über-, Unter- oder Fehlversorgung von Patientinnen und Patienten zu vermeiden. Bisher existieren jedoch noch keine umfassenden Kennzahlen oder Maße, mit denen eine Indikationsqualität gemessen werden kann. Das Versorgungsforschungsprojekt IndiQ entwickelte ein Monitoring-Instrument und lieferte anhand dessen erste Erkenntnisse bzgl. der Messung von Indikationsqualität und der systematischen Erfassung von unangemessenen Indikationsstellungen. Die entwickelten Indikatoren werden bereits im ebenfalls durch den Innovationsausschuss geförderten Projekt DIAMANT-SD angewendet. Hier sind weitere Erkenntnisse zu einem angemessenen Einsatz von schilddrüsenspezifischen Labortests und Sonografien zur Abklärung von vermuteten bzw. bestehenden Schilddrüsenerkrankungen zu erwarten. Da nur ein kleiner Teil der potenziell problematischen Indikationsstellungen mit den im Rahmen des Projektes IndiQ vorhandenen Daten untersucht werden konnte, sieht der Innovationsausschuss insgesamt weiteren Forschungsbedarf, ggf. auch unter Verwendung anderer Datenquellen.
Hintergrund
Sämtliche Ergebnisberichte der bislang abgeschlossenen Projekte sowie die Beschlüsse des Innovationsausschusses sind auf der Website veröffentlicht: Beschlüsse