Innovationsausschuss-Projekte: Neue S3-Leitlinien zur Antibiotikatherapie sowie bei kreisrundem Haarausfall
Berlin, 20. Februar 2026 – Der Innovationsausschuss beim Gemeinsamen Bundesausschuss wird zwei neu entwickelte S3-Leitlinien an die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e. V. (AWMF) mit der Bitte um Veröffentlichung übermitteln. Aus dem einen erfolgreich abgeschlossenen Projekt ist die erste evidenz- und konsensbasierte S3-Leitlinie zur Behandlung von schweren Infektionen mit multiresistenten Bakterien hervorgegangen. Sie wird Ärztinnen und Ärzte bei der Therapie solcher Infektionen unterstützen, unwirksame Therapien verhindern und die Therapiesicherheit steigern. Ein weiteres Projekt hat wissenschaftlich fundierte Empfehlungen als S3-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie der Alopecia areata entwickelt. Die Alopecia areata, bekannt als kreisrunder Haarausfall, ist eine Erkrankung, die für die Betroffenen mit hohen emotionalen und psychosozialen Belastungen einhergehen kann.
S3-Leitlinien zählen zu den medizinischen Leitlinien mit dem höchsten Qualitätsstandard für die Versorgung in Deutschland. Von den Projekten erarbeitet wurden zudem Patienteninformationen, die Betroffenen laienverständlich medizinisch fundiertes Wissen bieten.
Antibiotikatherapie schwerer Infektionen mit multiresistenten Bakterien
Multiresistente Erreger (MRE) sind Keime, bei denen mehrere Antibiotika wirkungslos sind. Das erschwert die medizinische Behandlung der Patientinnen und Patienten. Reserveantibiotika können die letzte Therapieoption bei einer Infektion mit multiresistenten Bakterien sein und müssen – um die Entwicklung neuer Resistenzen zu vermeiden – besonders verantwortungsvoll eingesetzt werden. Das vom Innovationsausschuss mit rund 150.000 Euro geförderte Projekt MRETher entwickelte erfolgreich eine neue S3-Leitlinie mit evidenzbasierten Empfehlungen zur Antibiotikatherapie bei schweren Infektionen durch MRE. Die Leitlinie hilft Ärztinnen und Ärzten, geeignete Reserveantibiotika auszuwählen. Zentral für die Behandlungsentscheidungen ist deshalb die sorgfältige mikrobiologische Diagnostik der Erreger und deren Resistenzen. In der Leitlinie werden zudem Hintergründe zu spezifischen Erregern und deren Resistenzmechanismen beschrieben, auch beim Einsatz von Breitbandantibiotika wie Carbapeneme.
Details im Beschluss und im Ergebnisbericht
Zur Leitlinie im AWMF-Register
Diagnostik und Therapie der Alopecia areata
Die Alopecia areata tritt häufig bereits im Kindes- und Jugendalter auf und kann akut oder auch chronisch wiederkehrend zu einem kompletten Verlust der Kopf-, Gesichts- und Körperhaare führen. Das mit rund 260.000 Euro geförderte Projekt S3 LL AA hat eine S3-Leitlinie mit insgesamt 79 evidenzbasierten Empfehlungen zu Diagnostik und Therapie dieser Erkrankung entwickelt. Bei den Therapieempfehlungen wird nach Schweregrad und Altersgruppe unterschieden. Im Ergebnis kann die neue Leitlinie dazu beitragen, die Alopecia areata von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen frühzeitig, altersgemäß und optimal zu behandeln.
Details im Beschluss und im Ergebnisbericht
Zur Leitlinie im AWMF-Register
Hintergrund
Der Innovationsausschuss fördert auch Projekte, die hochwertige medizinische Leitlinien entwickeln oder weiterentwickeln, für die ein besonderer Bedarf in der Versorgung besteht. Die Themenschwerpunkte werden dabei vom Bundesministerium für Gesundheit vorgegeben. Weitere Informationen finden Sie auf der Website des Innovationsausschusses.