Innovationsausschuss-Projekte: Vier neue S3-Leitlinien für eine bessere Versorgung
Berlin, 20. März 2026 – Vier weitere Projekte zu neuen medizinischen S3-Leitlinien, die vom Innovationsausschuss beim Gemeinsamen Bundesausschuss gefördert wurden, sind erfolgreich abgeschlossen worden. Erstmals stehen damit hochwertige evidenzbasierte Handlungsempfehlungen für folgende Behandlungssituationen zur Verfügung:
- Immunsuppressive Behandlung von Kindern und Jugendlichen nach einer Nierentransplantation
- Prävention, Diagnostik und Therapie von Schilddrüsenknoten bei Erwachsenen in der hausärztlichen Versorgung
- Umgang mit gebrechlichen Patientinnen und Patienten vor, während und nach einer Operation
- Vorbeugung einer Tuberkuloseerkrankung
Von den Projekten erarbeitet wurden auch Patienteninformationen, die Betroffenen laienverständlich medizinisch fundiertes Wissen bieten. Methodische Grundlage bei der Leitlinienentwicklung war das Regelwerk der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) e. V. Die S3-Leitlinien übermittelt der Innovationsausschuss an die AWMF mit der Bitte um Veröffentlichung.
Immunsuppression nach einer Nierentransplantation bei Kindern und Jugendlichen
Nach der Transplantation einer Niere ist es notwendig, Abstoßungsreaktionen des Körpers zu vermeiden und die Funktionsfähigkeit des übertragenen Organs zu sichern. Mit Medikamenten wird deshalb lebenslang die Aktivität des Immunsystems unterdrückt (Immunsuppression). Die Immunsuppression bei Kindern und Jugendlichen nach einer Nierentransplantation erfolgt bislang ganz unterschiedlich. Neuere Empfehlungen, die ein individualisiertes Vorgehen mit unterschiedlichen, neueren Immunsuppressiva vorsehen, finden häufig noch keine Beachtung. Hier setzte das vom Innovationsauschuss mit knapp 137.000 Euro geförderte Projekt LL-PädNTx an und entwickelte eine S3-Leitlinie mit insgesamt 25 Empfehlungen. Die neue Leitlinie gibt erstmals eine klare Orientierung, welche Maßnahmen zu welchem Zeitpunkt indiziert sind.
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Hausärztliche Prävention, Diagnostik und Therapie von Schilddrüsenknoten
Schilddrüsenknoten treten bei Erwachsenen sehr häufig auf, sind aber meist harmlos. Die Herausforderung im hausärztlichen Bereich besteht darin, die behandlungsbedürftigen Befunde zu identifizieren, beispielsweise funktionelle Störungen der Schilddrüse oder Krebs. Gleichzeitig gilt es, überflüssige Untersuchungen zu vermeiden. Hausärztinnen und Hausärzten steht nun eine neuentwickelte S3-Leitlinie zur Verfügung. Das vom Innovationsausschuss mit 262.000 Euro geförderte Projekt LeiSE hat gemeinsam mit versorgungsrelevanten wissenschaftlichen Fachgesellschaften und unter Beteiligung der Patientenvertretung im ersten Schritt Schlüsselfragen definiert und anschließend insgesamt 20 Empfehlungen erarbeitet.
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Umgang mit gebrechlichen Patientinnen und Patienten vor, während und nach einer Operation
Wenn ein Mensch altert, kann es zu Einschränkungen wie Muskelschwäche, Erschöpfung und Gangunsicherheiten kommen. Treten mehrere solcher Faktoren auf, wird das auch als Frailty-Syndrom (Altersgebrechlichkeit) bezeichnet. Bekannt ist, dass die Risiken bei dieser Patientengruppe während und nach einer Operation erhöht sind – dennoch gab es bislang im deutschsprachigen Raum keine spezifischen Empfehlungen, wie Gebrechlichkeit im zeitlichen Zusammenhang mit einer Operation zu berücksichtigen ist. Das mit knapp 412.000 Euro vom Innovationsausschuss geförderte Projekt FrailtyOP entwickelte eine S3-Leitlinie mit evidenzbasierten Empfehlungen zum Umgang mit Patientinnen und Patienten mit einem Frailty-Syndrom. Die Leitlinie unterstützt Ärztinnen und Ärzte im stationären und ambulanten Bereich während und nach einer Operation. Zudem hilft die S3-Leitlinie, vor einer Operation Komplikationsrisiken zu identifizieren und vorbeugende Maßnahmen einzuleiten.
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Vorbeugung einer Tuberkuloseerkrankung bei Migrantinnen und Migranten
In Deutschland ist Tuberkulose eine seltene Erkrankung, die mit einem Anteil von über 70 Prozent Menschen betrifft, die nicht in Deutschland geboren sind. Bisher fehlte jedoch eine einheitliche Strategie, wann und bei wem ein Screening auf eine Tuberkuloseinfektion erfolgen sollte. Im vom Innovationsausschuss mit 113.600 Euro geförderten Projekt TB-Risk wurde eine S3-Leitlinie entwickelt, um die Tuberkuloseprävention und Gesundheitsversorgung bei Menschen zu verbessern, die in ihrem Geburts- bzw. Herkunftsland oder während des Migrationswegs einem möglicherweise starken Infektionsrisiko ausgesetzt waren. Insgesamt erarbeitete das Projekt 38 Empfehlungen, davon 7 speziell für Kinder und Jugendliche. Zudem wurden evidenzbasierte Informationen für Betroffene sowie unterstützendes Material (Anamnesebogen, Symptomfragebogen, Flowcharts) entwickelt und stehen zur Verfügung.
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Hintergrund
Der Innovationsausschuss fördert auch Projekte, die hochwertige medizinische Leitlinien entwickeln oder weiterentwickeln, für die ein besonderer Bedarf in der Versorgung besteht. Die Themenschwerpunkte werden dabei vom Bundesministerium für Gesundheit vorgegeben. Weitere Informationen finden Sie auf der Website des Innovationsausschusses.