Förderung aus Innovationsfonds: Zwei weitere S3-Leitlinien konnten entwickelt werden
Berlin, 17. April 2026 – Mit finanzieller Förderung aus dem Innovationsfonds konnten zwei neue S3-Leitlinien entwickelt werden. Eine der Leitlinien verbessert die interdisziplinäre Versorgungsstrategie von Menschen mit einem pertrochantären Bruch des Oberschenkels – die Bruchzone geht hier durch den sogenannten Trochanter (grosser Rollhügel). Diese Form der hüftgelenksnahen Oberschenkelbrüche kommt sehr häufig vor, betroffen sind hauptsächlich Ältere. Die andere Leitlinie hat seltene erblich bedingte Erkrankungen im Fokus: Das Deletion- und Duplikationssyndrom 22q11.2 ist nach dem Down-Syndrom das häufigste bekannte genetische Syndrom des Menschen. Aber bislang fehlten hier evidenzbasierte Empfehlungen zur Diagnostik und Therapie – beispielsweise bei welchen Symptomen eine humangenetische Untersuchung veranlasst werden sollte. Der Innovationsausschuss beim Gemeinsamen Bundesausschuss wird nun die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e. V. (AWMF) um Veröffentlichung im AWMF-Leitlinienregister bitten. Verfügbar sind dann zudem laienverständlich formulierte Patienteninformationen.
Interdisziplinäre Versorgungsstrategie bei pertrochantären Brüchen des Oberschenkels
Pertrochantäre Oberschenkelbrüche machen etwa die Hälfte aller hüftgelenksnahen Brüche aus. Auch mit Blick auf häufig vorliegende Begleiterkrankungen der Betroffenen bedarf es interdisziplinärer Versorgungsstrategien und ganzheitlicher Behandlungsempfehlungen, die über die chirurgische Behandlung hinausgehen. Das vom Innovationsausschuss mit ca. 333.000 Euro geförderte Projekt EvidenT-HiP hat die bis zum Jahr 2019 gültige S2e-Leitlinie auf ein S3-Niveau angehoben. Im Zuge des Upgrades des Leitlinienniveaus erweiterte das Projekt den Umfang der Empfehlungen und rückte die interprofessionelle und interdisziplinäre Zusammenarbeit in der Versorgung in den Fokus. Insgesamt konnten 66 Empfehlungen zu den Themen präklinische und klinische/chirurgische Versorgung, ortho-geriatrisches Co-Management und Nachbehandlung sowie sekundäre Frakturprophylaxe verabschiedet werden.
Zur Leitlinie im AWMF-Register
Frühzeitige Behandlungen beim Deletion- und Duplikationssyndrom 22q11.2 ermöglichen
Das Deletion- und Duplikationssyndrom 22q11.2 beschreibt eine Gruppe erblich bedingter seltener Erkrankungen, bei denen es u. a. zu Entwicklungsverzögerungen, Intelligenzminderung, Lernstörungen und Lippen-, Kiefer-Gaumendefekten kommen kann. Betroffen ist durchschnittlich eines von 2.000 Kindern. Die humangenetische Diagnose wird oft erst im Jugend- oder Erwachsenenalter gestellt, so dass frühzeitige Behandlungen ausbleiben. Das vom Innovationsausschuss mit 288.000 Euro geförderte Projekt DS22q hat erstmalig eine interdisziplinär entwickelte S3-Leitlinie mit insgesamt 80 Empfehlungen erstellt: zur allgemeinen interdisziplinären Zusammenarbeit, zur humangenetischen Diagnostik, zur Abklärung auf Begleiterkrankungen, zur Versorgung sowie zur Prävention.
Zur Leitlinie im AWMF-Register
Hintergrund
Der Innovationsausschuss fördert auch Projekte, die hochwertige medizinische Leitlinien entwickeln oder weiterentwickeln, für die ein besonderer Bedarf in der Versorgung besteht. Die Themenschwerpunkte werden dabei vom Bundesministerium für Gesundheit vorgegeben. Weitere Informationen finden Sie auf der Website des Innovationsausschusses.