Pressemitteilung | Innovationsfonds

Innovationsausschuss-Projekte: Transferbeschlüsse unter anderem zu Humanmilchbanken für Frühgeborene

Berlin, 22. Mai 2026 – Drei neue Ansätze für eine bessere und zum Teil auch kostensparende Gesundheitsversorgung sind durch Projekte des Innovationsausschusses beim Gemeinsamen Bundesausschuss erfolgreich erprobt worden. Der Innovationsausschuss leitet die Ergebnisse nun gezielt weiter – verbunden mit der Erwartung, dass sie von den zuständigen Akteuren im Gesundheitswesen auf konkrete Umsetzungsmöglichkeiten hin geprüft werden. Das Projekt NEO-MILK hat bereits jetzt dazu beigetragen, den Zugang von Frühgeborenen zu Muttermilch (und falls das nicht möglich ist, zu Spenderinnenmilch) standortbezogen dauerhaft zu verbessern. Denn an neun der 15 Studienkliniken konnten sogenannte Humanmilchbanken etabliert werden. Zudem steht das entwickelte Informations- und Schulungsmaterial für eine strukturierte Still- und Milchbildungsförderung für alle Interessierten auf der Projektwebsite frei zur Verfügung. Im nächsten Schritt geht es aus Sicht des Innovationsausschusses nun darum, die Versorgung möglichst flächendeckend zu verbessern, beispielsweise über Anschubfinanzierungen auf Landesebene. Die beiden anderen erfolgreich abgeschlossenen Projekte – INTEGRATION-Programm und ElektRA – befassten sich zum einen mit einer intensivierten Ernährungs- und Bewegungstherapie für Krebserkrankte, zum anderen mit einer Optimierung der Antibiotikatherapie in Hausarztpraxen.

Prof. Josef Hecken, Vorsitzender des Innovationsausschusses: „Wir haben heute die Ergebnisse von drei abgeschlossenen Projekten auf den Weg gebracht, sozusagen den Staffelstab übergeben. Es liegt nun an anderen Akteuren, die guten Ergebnisse beispielsweise über Verträge in der Gesundheitsversorgung zu überführen. Beim Projekt NEO-MILK haben wir die sehr erfreuliche Besonderheit, dass die Ergebnisse sogar schon aufgegriffen wurden. In Nordrhein-Westfalen wird auch auf Grundlage des Projekts seit vergangenem Jahr der Aufbau von Humanmilchbanken sowie stillfreundlicher Strukturen über eine Landesförderung unterstützt. Es hat sich also bereits ausgezahlt, dass wir dieses Projekt mit etwas mehr als vier Mio. Euro fördern konnten. Genau solche guten Projektergebnisse hatte auch die FinanzKommission Gesundheit im Sinn, als sie darauf hinwies, dass eine Absenkung der Mittel des Innovationsfonds mittelfristig die Wahrscheinlichkeit senkt, Wege zu finden, die Versorgung zu verbessern beziehungsweise mögliche Effizienzreserven im System zu heben.“

Bessere und kosteneffizientere Versorgung von Frühgeborenen

In Deutschland kommen jedes Jahr mehr als 10.000 Frühgeborene mit einem Geburtsgewicht von unter 1.500 Gramm zur Welt. Obwohl sich die Ernährung mit Muttermilch bzw. Spenderinnenmilch positiv auf die Entwicklung der Kinder auswirkt, findet in Deutschland aktuell keine strukturierte Still- und Milchbildungsförderung statt. Auch der Zugang zu Spenderinnenmilch ist nicht flächendeckend gewährleistet. Ziel des Projektes NEO-MILK war es, jedem Frühgeborenen in den teilnehmenden Kliniken Zugang zu Muttermilch oder alternativ Spenderinnenmilch zu ermöglichen, vom ersten Lebenstag an.

In der Vorbereitungsphase wurden drei Arbeitspakete umgesetzt:

  • Das Projekt analysierte den quantitativen und qualitativen Status quo. Befragt wurden Mitarbeitende von Humanmilchbanken und Perinatalzentren sowie Mütter von Frühgeborenen.
  • Entwickelt wurden hygienisch-infektiologische Standards für Humanmilchbanken und zudem mittels eines beauftragten Rechtsgutachtens der juristische Status von Humanmilch geklärt.
  • Das Projekt erstellte ein Still- und Milchbildungsförderungskonzept für Mütter mit potenzieller Frühgeburt bzw. nach Frühgeburt in Form eines Handbuchs sowie einer Web-App. Aufbauend auf dem Still- und Laktationsförderungskonzept für Mütter wurden Schulungen für das medizinische Personal entwickelt.

In der Umsetzungsphase hat das Projekt an neun der 15 Studienkliniken Humanmilchbanken etabliert und für die Mütter eine strukturierte Still- und Milchbildungsförderung eingeführt. Im Ergebnis handelt es sich aus Sicht des Innovationsausschusses um eine relevante Verbesserung der Versorgung, da der Anteil an Frühgeborenen, die bei Entlassung ausschließlich mit Muttermilch ernährt wurden, erhöht werden konnte. Deshalb werden die im Projekt erzielten Erkenntnisse an das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat und an die Gesundheitsministerkonferenz der Länder weitergeleitet. Sie werden gebeten zu prüfen, wie die Projektergebnisse in aktuellen und künftigen Initiativen zur Weiterentwicklung der Versorgung von Frühgeborenen berücksichtigt werden können.

Beschluss und Ergebnisbericht

Kombinierte Ernährungs- und Bewegungstherapie während einer Krebsbehandlung

Das Projekt INTEGRATION-Programm hat eine kombinierte und intensivierte Ernährungs- und Bewegungstherapie für Erwachsene, die sich in einer Krebsbehandlung befinden, entwickelt und evaluiert. Speziell ausgebildete onkologische Sport- und Ernährungstherapeutinnen und ‑therapeuten legen die individuell notwendigen Therapieziele und -inhalte fest: beispielsweise Ernährungspläne, Einkaufs- und Kochtraining und ein Bewegungsprogramm mit Kraft- und Ausdauertrainingsgeräten. Ziel des Angebots ist es, bei den Betroffenen therapiebedingte Nebenwirkungen und Langzeitfolgen zu verringern. Da die Evaluationsergebnisse auf dahingehende Vorteile hinweisen, bittet der Innovationsausschuss die Verbände der Kranken- und Pflegekassen auf Bundesebene zu prüfen, ob das Angebot in Vertragsvereinbarungen umgesetzt werden kann.

Beschluss und Ergebnisbericht

Strategien zur Optimierung der hausärztlichen Antibiotikatherapie

Wie können Hausarztpraxen mit überdurchschnittlich hohen Verordnungsraten am besten dabei unterstützt werden, den Antibiotikaeinsatz zu optimieren? Dieser Fragestellung ging das Projekt ElektRA nach und untersuchte die Wirksamkeit von drei unterschiedlich zusammengesetzten Angeboten: Feedbacks, eine projekteigene Online-Fortbildung sowie von Peers moderierte Fortbildungen. Auch wenn die im Projekt erreichte Reduktion der Antibiotikagesamtverordnung nicht vollends den Erwartungen entsprach, wurden von den teilnehmenden Praxen vor allem die Fortbildungen als sinnvoll – weil mit einem Lerneffekt verbunden – eingestuft. Die Verbände der Kranken- und Pflegekassen auf Bundesebene und die Kassenärztlichen Vereinigungen werden vom Innovationsausschuss gebeten zu prüfen, ob Ansätze in Vertragsvereinbarungen und Maßnahmen zur Qualitätsverbesserung umgesetzt werden können.

Beschluss und Ergebnisbericht

Hintergrund

Sämtliche Ergebnisberichte der bislang abgeschlossenen Projekte sowie die Beschlüsse des Innovationsausschusses sind auf der Website veröffentlicht: Beschlüsse