Neue Wege durch Innovationsfonds-Projekte: für Frauen mit metastasiertem Brustkrebs, für einen optimierten Antibiotika-Einsatz sowie für Kinder mit Adipositas
Berlin, 19. Juni 2026 – Der Innovationsausschuss beim Gemeinsamen Bundesausschuss schätzt die Ergebnisse von drei abgeschlossenen Projekten als so relevant ein, dass er sich für einen Transfer in die Regelversorgung einsetzt, beziehungsweise die Ergebnisse gezielt weiterleitet:
- Das Projekt PRO B konnte nachweisen, dass ein ergänzendes App-basiertes Monitoring bei Frauen mit metastasiertem Brustkrebs ein sehr guter Weg ist, Verschlechterungen des Gesundheitszustandes schnell zu erkennen – und es spart zugleich Kosten im Vergleich zur alleinigen Regelversorgung.
- Im Projekt TELE-KASPER wurden telemedizinische Programme eingeführt und ein Kompetenznetzwerk aufgebaut, um den Antibiotika-Einsatz in nichtuniversitären Kinderkliniken zu optimieren.
- Das Projekt STARKids hat für Kinder und Jugendliche mit Adipositas ein zweistufiges Schulungsangebot für eine „gesunde Gewichtsentwicklung“ erarbeitet.
Der Innovationsausschuss veröffentlicht seine Transferempfehlungen und die Projektergebnisse auf seiner Website, leitet sie aber auch gezielt weiter. Damit verbunden ist die Verpflichtung der adressierten Akteure, Umsetzungsmöglichkeiten zu prüfen und dem Innovationsausschuss dazu eine Rückmeldung zu geben. Die Rückmeldungen werden ebenfalls veröffentlicht.
PRO B: Patient Reported Outcome Measures bei metastasiertem Brustkrebs nutzen
Brustkrebs ist in Deutschland die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Trotz des medizinischen Fortschritts entwickeln auch heute noch viele Patientinnen im späteren Verlauf Metastasen. In solchen Fällen geht es darum, das Überleben der Frauen zu verlängern und ihre Lebensqualität zu erhalten. Um eine Verschlechterung des Zustandes aufgrund von krankheits- und/oder therapieassoziierten Symptomen schneller zu erkennen und ungeplante Krankenhausaufenthalte zu vermeiden, implementierte und erprobte das Projekt PRO B das neue Versorgungskonzept deutschlandweit an 52 zertifizierten Brustkrebszentren. Dabei hatten die Frauen die Möglichkeit, über einen Zeitraum von mindestens 12 Monaten eine wöchentliche App-basierte Erhebung von Patient Reported Outcomes (PRO) zu ihrem Gesundheitszustand und möglichen Beschwerden durchzuführen/zu nutzen. Die Befragungsdaten standen dem Behandlungsteam sofort nach Abschluss der Befragung zur Verfügung. Bei einer Symptomverschlechterung wurde ein automatisierter Alarm ausgelöst und die Patientin innerhalb von 48 Stunden kontaktiert, so dass bei Bedarf weitere Maßnahmen eingeleitet wurden.
Im Ergebnis konnte das Projekt nachweisen, dass sich durch das ergänzende App-basierte Monitoring bei betroffenen Frauen die Fatigue (Erschöpfungssyndrom) signifikant verringert hat und gleichzeitig die Gesamtüberlebensrate höher war. Auch wiesen Patientinnen der Interventionsgruppe eine verbesserte gesundheitsbezogene Lebensqualität nach sechs Monaten auf. Zudem konnten im Rahmen der gesundheitsökonomischen Evaluation deutliche Kostenersparnisse bei gleichzeitig höheren qualitätsadjustierten Lebensjahren nachgewiesen werden.
TELE-KASPER: Antibiotika-Einsatz in der stationären Kindermedizin optimieren
Antibiotic Stewardship (ABS)-Programme sollen einen zielgerichteten Einsatz von Antibiotika in Krankenhäusern sicherstellen. Solche Programme waren aber in der Kinderheilkunde – außerhalb nichtuniversitärer Kliniken – bisher sehr selten etabliert. Hier setzte das Projekt TELE-KASPER an und untersuchte im ersten Schritt den Antibiotika-Einsatz in 33 nichtuniversitären Kinderkliniken. Anschließend führte es telemedizinische ABS-Programme ein. Mittels einer Smartphone-App wurden Ärztinnen und Ärzte zu Diagnostik und Therapie von Infektionen im Kindesalter beraten, weitergebildet und in der Behandlung komplizierter infektiologischer Fälle unterstützt. Zudem baute das Projekt ein deutschlandweites Netzwerk aus ABS-erfahrenen Universitätskliniken als Kompetenzzentren auf.
Im Ergebnis konnte das Projekt zeigen, dass ABS-Programme in Form von telemedizinischen Angeboten in nichtuniversitären Kinderkliniken gut umsetzbar sind und von behandelnden Ärztinnen und Ärzten positiv angenommen wurden. Die Projektentwicklungen stehen für die weitere Verwendung in der Kinderheilkunde zur Verfügung.
STARKids: Für eine gesunde Gewichtsentwicklung bei Kindern und Jugendlichen mit Adipositas
15 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland sind übergewichtig, 6 Prozent leiden an Adipositas. Das vom Innovationsausschuss geförderte Projekt STARKids hat erfolgreich ein zweistufiges Programm entwickelt, das übergewichtige und adipöse Kinder und Jugendliche für eine gesunde Gewichtsentwicklung stärken soll. In Stufe 1 erhalten die Familien über ein Jahr verteilt fünf (optional sechs) Präsenzschulungen zum Thema „gesunde Gewichtsentwicklung“ in ihrer Kinder- und Jugendarztpraxis. In jeder Präsenzschulung werden individuelle Ziele festgelegt. Zwischen den Schulungen werden die Familien in einem Onlineportal mit vielfältigen Inhalten unterstützt, um vermitteltes Wissen zu vertiefen, zu reflektieren und spielerisch anzuwenden. Werden die individuell gesetzten Ziele nicht erreicht, erfolgt der Übergang in Stufe 2. Hier bietet das örtliche Gesundheitsamt auf Wunsch und Bedarf weiterführende Hilfen an.
Mit der begleitenden Studie konnte das Projekt zeigen, dass das Angebot der Stufe 1 das Potenzial hat, bei Kindern und Jugendlichen mit Adipositas zu einer signifikanten Gewichtsreduktion beizutragen und gleichzeitig kosteneffektiv ist.
Hintergrund
Sämtliche Ergebnisberichte der bislang abgeschlossenen Projekte sowie die Beschlüsse des Innovationsausschusses sind auf der Website veröffentlicht: Beschlüsse.